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Elephant

Ich hab schon einige Zeit lang überlegt, mit welchem Film ich diese Rubrik meines Blogs einweihen soll. Ursprünglich dachte ich dabei ein einen meiner Lieblingsfilme, wie beispielsweise Fight Club oder Dogma. Oder vielleicht einen dieser absoluten All-Time-Favourtes. Filme, die ich mir schon hunderttausend Mal im Fernsehen gesehen habe und sie jedes Mal immer wieder gerne neu ansehe, wie beispielsweise Terminator 2 oder Conan. Oder vielleicht doch einer meiner neuen Lieblinge, wie Jackie Brown oder Serenity. Aber alles in allem hab ich mich dann doch für "Elephant" entschieden.

Warum?

Nun ja, der Grund ist recht einfach, es ist der letzte Film, den ich gesehen habe, streng genommen vor ungefähr 24 Stunden. Und der mich für den aktuellen Header dieser Seite "Guns don't kill people..." inspiriert hat - natürlich ist das als Persiflage zu verstehen.

Also um was gehts? Vor einigen Jahren haben zwei Schüler der Colombine Highschool in Littelton eine wirklich grauenvolle Tat begannen. Ein regelrechtes Massaker, das nicht nur durch alle Medien ging, sondern auch einen gewissen M. Moore zu seinem Dokumentarfilm "Bowling for Columbine" mitinspirierte. Und das damals einige sehr schwerwiegende Fragen bezüglich Gewalt in den Medien, deren Einfluss auf Jugendliche und die Situation in Hochschulen aufwarf. Elephant reitet auf dieser Welle quasi mit. Es ist keine Dokumentation, sondern eher eine Nachstellung der damaligen Ereignisse. In einigen langen, durchaus konfusen Szenen erleben wir die Geschehnisse jenes verhängnissvollen Tages (aber auch die des Vortages) aus der Perspektive von einigen Schülern.

Da hätten wir einmal John, der quasi Glückspilz des Tages. Vielleicht, weil er mit den anderen Schülern besser auskam, vielleicht, weil sein Vater Alkoholiker ist, vielleicht wegen seines Hundes, vielleicht aber auch nur durch eine pure Laune heraus, raten die beiden Attentäter ihm, nicht mehr die Schule zu betreten - als sie ihn zufällig vor der Schule über den Weg laufen. John ist die erste Hauptfigur, der wir im Laufe des Filmes kennenlernen und er ist auch derkjenige, der sich am markanntesten in das Gedächtnis einprägt - die beiden Killer mal ausgenommen.

Denn nach John finden sich recht schnell noch mindestens zehn andere Jugendliche in den Film hinein, die allerdings mehr als Kanonenfutter oder als traurige Gag-Lieferanten dienen. Da hätten wir unter anderem einmal den Sportchamp samt Freundin, einen rasenden Schüler-Fotographen, das schüchterne Mauerblümchen, die bulemische Dreie-Clique aus richtigen Zicken und einen schwarzen Jungen, der eigentlich nur auftaucht um erschossen zu werden und keinen einzigen Satz sagen darf. Schade eigentlich, denn der Film fängt mit John und dessen betrunkenen Vater eigentlich recht gut an. Doch bereits nach der ersten Viertelstunde wird traurigerweise klar, dass fast die gesamten Anstrengungen der Charakterentwicklung (bzw. Darstellung) an drei Figuren verbraten wird. Der erste Punkt, der negativ auffällt.

Punkt Nummer Zwei ist vermutlich auch die, bereits erwähnte, konfuse Szenenführung. Der Film selbst spielt an zwei Tagen: Dem Tag des Amoklaufes und einen Tag davor. Allerdings vermute ich nur, dass es direkt der Tag davor ist, richtig herauslesen kann man das leider nicht. Der Schnitt und die Kameraführung sind ja ursprünglich recht kreativ. In langen (oft zu lang erscheinenden) Kamerafahrten folgen wir einer der Hauptfiguren, bis zu einem bestimmten Punkt. Trifft er/sie während dieser Fahrt andere Figuren, so werden wir die gleiche Szene mit SIcherheit nocheinmal zu Gesicht bekommen, nur eben aus einer anderen Perspektive. Klingt an und für sich dehr interessant, allerdings scheitert die Idee leider an der Durchführung. Denn anstatt diese Überschneidungen chronologisch korrekt zu bringen, sind sie ebenfalls wirr zusammengeschnitten, immer wieder durchsetzt von Rückblenden auf den Vortag, die wir allerdings erst nach langen Momenten als Rückblenden erkennen.

Also was bleibt unter dem Strich? Mal abgesehen von der teilweise lieblosen Charakterdarstellung und dem nicht gerade sehr erfreulichen Schnitt ist "Elephant" ein durchaus sehr brauchbarer Film. Er maßt sich kein Urteil über die Amokläufer an, was ganz sicher ein Pluspunkt ist. Stattdessen bringt er einige Ansätze für mögliche Erklärungen, vertieft diese allerdings nicht so weit, dass die Tat verharmlost werden könnte. Also muss sich der Zuschauer wohl oder übel selbst ein Urteil bilden, nachdem die Bilder auf ihn eingewirkt sind. Ein Konzept, welches ich durchaus zu würdigen weiß.

Daher würde meine persönliche Wertung lauten wie folgt:

* * * - -
(3/5 Sternen)

19.8.06 01:38
 


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